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Niedrigzinsen – Fluch oder Segen für KMU?

12.08.2013 11:11

 

Seit Monaten rangiert der europäische Leitzinssatz bei 0,5 % p.a. und befindet sich damit auf einem Rekordtief. Ende Juli bestätigte die Europäische Zentralbank erneut, dass sie vorerst an dieser Niedrigzinspolitik festhalten möchte. Diese Entscheidung bringt für KMU sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich.

Der Leitzins ist das bedeutendste Instrument, mit dem die Europäische Zentralbank die Wirtschaft und die Inflation steuern kann. Sie gibt den Preis an, zu dem sich die Banken bei ihr Geld leihen können. Befindet sich viel Geld auf den Märkten, so verliert es an Wert und die Inflationsrate steigt.
Verbraucher müssen für die Güter stetig mehr Euro bezahlen, obwohl der ideelle Wert der Ware sich nicht verändert. In diesem Fall erhöht die EZB den Leitzins. Für die Menschen und Unternehmen wird Sparen wieder interessant. Dadurch verschwindet Geld vom Markt und die Preise wachsen nicht mehr so schnell.

Befindet sich die Wirtschaft in einer Rezession, so senkt die EZB den Leitzins. Vor allem Unternehmen können bei den Banken nun günstig Geld aufnehmen und investieren. Dadurch wird die Wirtschaft wieder angekurbelt. Auch Konsumenten erhalten günstige Kredite und können deshalb stärker konsumieren, was ebenfalls auf einen wirtschaftlichen Aufschwung abzielt. Insbesondere zu Beginn dieser Phase erzielen Unternehmen den höchsten Gewinn.

Niedrige Zinsen sind also ein Segen für KMU?

Theoretisch ja. Tatsächlich ist die Sachlage derzeit allerdings viel komplizierter. Es herrscht eine Unsicherheit unter den Banken, weshalb sie Kredite trotz Niedrigzinsphase oft nur zögerlich und mit relativ hohen Risikoaufschlägen ausgeben. Der Zinssatz für Kontokorrentkredite hat bis heute noch nicht auf die Zinssenkung reagiert. Letztere wird von den Banken kaum an die Kunden weitergegeben.

Dennoch sollten Unternehmen jetzt investieren. Da das bei der Bank angelegte Guthaben kaum verzinst wird und die Inflation inzwischen weiter ansteigt, verliert das investierte Geld an Wert. In einem Jahr kann sich ein Unternehmer für 100 EUR weniger kaufen als heute. Dies gilt im übrigen auch für die Altersvorsorge, die in Niedrigzinsphasen sukzessive durch den Wertverlust des Geldes aufgefressen wird. Auch eine Investition in die sonst so sichere Bank „Edelmetalle“ ist derzeit nicht ratsam. Durch Panik an der Börse ist beispielsweise Gold im Moment relativ teuer. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Blase platzt. Pessimisten sehen Europa sogar auf eine Hyperinflation zusteuern, doch soweit wird es hoffentlich nicht kommen.

Ob die derzeitige Niedrigzinsphase für das Unternehmen eher ein Fluch oder ein Segen ist, liegt in erster Linie am Unternehmen selbst. Wichtig ist, dass die Investitionsvorhaben und der Kreditnehmer selbst professionell und leistungsgerecht dargestellt und aktuelle Fördermöglichkeiten sowie kreative Finanzierungsinstrumente genutzt werden. Wenn sie das gewährleisten, liegt in der derzeitigen Niedrigzinsphase eine große Chance für die KMU.

Gerne unterstützen wir Sie bei Ihrem Vorhaben und leisten unseren Beitrag, dass die derzeitige Finanzpolitik für Sie und Ihr Unternehmen ein Segen wird.

Ihr Tobias